Dienstag, 1. März 2011

Japan: Sonnenaufgang Yonaguni und mit dem Fahrrad durch den Regen

In der Nacht schlug das Wetter um. Als mich mein Handy das erste Mal weckte war es noch stockdunkel, also erst einmal snoozen und abwarten. Das Spiel wiederholte sich bis ich letztendlich doch aufstand. Der Grund dafür? Ich hatte mir am Vorabend die Zeit für den Sonnenaufgang an diesem Morgen notiert und es waren nur mehr 15 Minuten dahin und obwohl sich der Himmel langsam aufhellte sah es nicht so aus als würde sich die Sonne blicken lassen.

Nachdem ich das Auto extra für 24h gemietet hatte um heute noch den Sonnenuntergang zu sehen und mich bereits mit Herrn K. abgesprochen hatte, quälte ich mich eben ins Gewand, packte meine Kameraausrüstung und dann ging es los zum Tategami Felsen Aussichtspunkt. Als ich aus dem Auto stieg und der Wind mich erwischte dachte ich mir zum ersten Mal "Kalt!", korrigierte mich aber sofort wieder. Eine so südliche Insel ist nicht kalt, sondern kühl. Das hatten wir der Pensionsbesitzerin bereits am Vorabend erklärt, doch sie lächelte uns nur vielsagend an. Da standen wir nun, Herr K. und ich, und schauten in Richtung Osten auf das hier:

Sonnenaufgang (?) auf Yonaguni
Und wo der von warmen Sonnenstrahlen gestreichelte Tatagemi Felsen sein sollte wälzten sich monströse Wellen Richtung Strand. Ich begann Herrn Ks Entscheidung heute mit dem Flugzeug retour nach Ishigaki zu fliegen zu beneiden. Wenn das Wetter so blieb, würde diese Schiffsfahrt sicher nicht sehr angenehm werden.

Tategami Felsen bei Sonnenaufgang (nicht ganz so wie vorgestellt)
Wir schauten auf unsere Uhren und auf den Himmel und trotz aller Hoffnung kamen wir zu dem Schluss, dass wir den kurzen Moment, wo die Sonne zwischen Meer und Wolkendecke vielleicht sichtbar gewesen wäre, verpasst hatten. Neben der guten Sichtbarkeit inzwischen war das hier unser bester Hinweis. Ich meine die Spiegelung von Sonnenlicht auf dem Meer.

Containerschiff kreuzt vor Yonaguni im "Sonnenaufgang"
Wir machten auf dem Rückweg zur Pension einen kurzen Abstecher zum Agarizaki Aussichtspunkt wo ich einen schönen Blick in die Vergangenheit und die Zukunft werfen konnte. Rechts Vergangenheit: Bis zu 30 Grad im Februar bei strahlendem Sonnenschein. Links Zukunft: kuschelige 12-18 Grad im März bei immer wiederkehrendem Regen.

Näherkommende Schlechtwetterfront auf Yonaguni
Allerdings traf ich dort auch auf einen alten Bekannten: Die Katze die mir am Vortag auf der Straße mitten im nirgendwo begegnet war! Warum sie wohl von Sonai bis nach Agarizaki gegangen war?

Unerwartetes Wiedersehen

Etwas durchkühlt kamen wir in die Pension zurück. Ich retournierte schnell das Auto und zahlte meine 5000 Yen (damals ca. 44 Euro). Die Übergabe war absolut problemlos, das Auto wurde nicht einmal angesehen! Retour in der Pension genoss ich erst einmal mein warmes Frühstück und eine heiße Dusche. Danach hieß es Abschied nehmen von meiner freundlichen Reisebegleitung Herrn K.

Nachdem ich immer wieder einen Kontrollblick nach draußen geworfen hatte und der erwartete Regenguss nicht kam, packte ich meine Ausrüstung inkl. Regenjacke und lieh mir ein Fahrrad der Pension aus. Zeit für einen Besuch des Hafens von Sonai mit dem angeblich recht schönen Nanta-hama Strand. Innerhalb von 10 Minuten (etwas verfahren) war ich auch schon dort. Bis auf die zu erwartenden Wellenbrecher bot sich mir trotz des Wetters ein schöner Anblick. Im unteren Verlauf feiner Sand, nach oben hin jedoch mit vielen Muscheln und Korallenresten gespickt. Der Hit waren aber die Farben.  Bei Sonnenschein sicher noch mal einen Zacken schöner.

Nanta-hama im Hafen von Sonai
Vom Strand hat man auch einen guten Blick auf den Tindahanata, der bei dem Wetter sicher noch mal um einiges gruseliger ist. Ich hab's nicht drauf ankommen lassen.

Tindahanata vom Hanta-hama aus
Hafenkatze mit kritischem Blick

Die Küste außerhalb des Hafens besteht aus einer Menge versteinerter Korallen an der sich wild die Wellen brechen. Dort traf ich auf wieder auf die Fotografin und einen mir bisher unbekannten jungen Fotografen. Man nickte sich zu und ging seiner Wege. Meine Aufmerksamkeit weckten letztendlich eine Gruppe kleiner Vögel die auf den Felsen hinliefen. Am Boden liegend verbrachte ich etwas Zeit damit sie abzulichten.

Wellenbrecher bei der Arbeit
Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus) lassen sich von Wellen nicht beeindrucken
Seeregenpfeifer wirft einen skeptischen Blick auf mich
Blick über die Sonai Bucht (außerhalb des Hafens) zum Friedhof
Herr K. hatte mir erzählt, dass es in Okinawa üblich war/ist die Toten in diesen Grabstätten zu bestatten bis der Körper verwest ist. Danach wurden/werden die Knochen noch einmal gereinigt und in einer Urne wieder beigesetzt. Die Form und Art der Bestattung stammt vermutlich aus China aus der Zeit der Ming-Dynastie. Inzwischen werden aber auch richtige Häuser gebaut (zumindest sehen sie so aus). Herr K. zeigte mir ein hübsches, buntes Haus am Rand der Stadt. Es sah aus wie aus Mexico, sehr freundlich und einladend. Er klärte mich dann auf, dass dies ebenfalls eine Grabstätte (die einer sehr reichen Familie) sei. 

Ein Grab auf Yonaguni, das langsam zerfällt
Verschiedene Größen von Gräbern
Grab mit Blick aufs Meer
Nach meinem morbiden Abstecher begann es leicht zu nieseln, weswegen ich mich auf meinem Weg rund um Sonai hauptsächlich auf Pflanzen konzentrierte (sprich Linse nach unten gerichtet).

Distel mit Blick aufs aufgewühlte Meer
Propellermaschine im Landeanflug auf Yonaguni (warum bin ich nicht in sowas gekommen?)
Wandelröschen (Lantana) am Wegesrand
Chomeisou/Nagaikisou (Peucedanum japonicum)
Auf Yonaguni gibt es recht viele Felder mit dem Kraut auf dem Bild oben. Die Übersetzung des japanischen Namens bedeutet so viel wie "Lang-Lebe-Kraut". Wenn man etwas im Internet sucht findet man auch Studien, dass es bei einigen Krebsarten helfen  soll. Über den Geschmack kann ich nicht wirklich was sagen. Normales Grünzeug halt.

Lackmus Test bei Pflanzen? War der Regen etwa sauer?
Reisfelder und Ishigaki Rind im Regen
Unbekannte Überlebenskünstlerin an einer Wand
Hibiskusstrauch der Pension Sakihara-sou
Praktisch jedes Haus in Okinawa hat zwei Shisa (Löwenhunde) vor der Tür. Es gibt viele Theorien warum einer den Mund offen hat und der andere zu. Eine ist z.B. das der Mund offen ist um die bösen Geister einzusaugen und der andere den Mund zu um die guten Geister drinnen zu behalten. Mir wurde auch erzählt, dass der offene Mund das "A" symbolisiert und der geschlossene das "N", den ersten und letzten Buchstaben im Alphabet. Fakt ist, sie sind Schutzgötter :)

Shisa im Regen vor der Pension Sakihara-sou
Und das entsprechende Gegenstück
Den Rest des Tages schüttete es ziemlich und ich verbrachte die Zeit mit Lesen und Reiseplanung während der Regen gegen die Scheiben und das Dach klopfte. Nach dem Abendessen blieben die Gäste noch etwas sitzen und ich bemerkte den jungen Fotografen vom Hafen. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir von seiner bisherigen Reise. Als ich von meinem Pech mit dem Sonnenaufgang erzählte fanden sich sofort mehrere, die es am nächsten Tag probieren wollten. Wir erhielten die Erlaubnis den Mini-Bus des Hotels zu verwenden und machten uns eine absolut unchristliche Zeit als Treffpunkt für den nächsten Morgen aus.

4 Kommentare:

Tina hat gesagt…

Die Hafenkatze mit der verrosteten Kette daneben gefällt mir überaus gut. Sie haben einen guten Blick für Gegensätze, das mag ich sehr gern.

Silvia hat gesagt…

Danke, Tina. Ich bemühe mich immer mich zu bessern, aber "da draußen" vergesse ich dann wieder die Hälfte. Schön zu wissen, das es hie und da klappt wie es soll.

himawara hat gesagt…

Wunderschöne Fotos!! Vor allem die Katzen und Bilder vom Meer. :)

Silvia hat gesagt…

Danke himawara! Katzen und Meer gehören auch zu meinen liebsten Dingen auf diesem Planeten!

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