Samstag, 2. Juli 2011

Japan: UNESCO vergibt zwei weitere Welterbestätten

Am 25. Juni gab die UNESCO bekannt,dass 25 Welterbestätten neu in die Liste aufgenommen wurden. Davon sind 21 Kultur, drei Natur und eine Gemischte. Darunter befanden sich zwei für Japan (und eine für Westaustralien mit dem Ningaloo Riff, was mich freut, weil es weit oben auf meiner To-Do Liste steht), eine Natur- und eine Kulturwelterbestätte. Somit hat Japan nun 16 davon, und ein Viertel davon sind Auszeichnungen für natürliche Ressourcen, womit Japan nun auch Neuseeland überholt hat :) Ja, dieses Neuseeland mit den wunderbaren Landschaften und der vielseitigen Flora und Fauna! Kaum zu glauben, oder?

Liste der Japanischen Welterbestätten
  • Schloss Himeji (Aufgenommen 1993)
  • Buddhistische Heiligtümer von Horyu-ji (Aufgenommen 1993)
  • Zedernwald von Yakushima (Aufgenommen 1993, Natur)
  • Buchenwald von Shirakami (Aufgenommen 1993, Natur)
  • Baudenkmäler und Gärten der Kaiserstadt Kyoto (Aufgenommen 1994)
  • Historische Dörfer von Shirakawa-go und Gokayama (Aufgenommen 1995)
  • Friedensdenkmal in Hiroshima (Aufgenommen 1996)
  • Shinto-Schrein von Itsukushima (Aufgenommen 1996)
  • Baudenkmäler und Gärten der Kaiserstadt Nara (Aufgenommen 1998)
  • Schreine und Tempel von Nikko (Aufgenommen 1999)
  • Archäologische Stätten des Königreichs der Ryukyu-Inseln (Aufgenommen 2000)
  • Heilige Stätten und Pilgerstraßen in den Kii-Bergen (Aufgenommen 2004)
  • Shiretoko Nationalpark (Aufgenommen 2005)
  • Iwami-Ginzan-Silbermine und Kulturlandschaft (Aufgenommen 2007)
  • Ogasawara-Inseln (Aufgenommen 2011, Natur)
  • Hiraizumi - Tempel, Gärten und archäologische Stätten (Aufgenommen 2011)

Himeji
Das Schloss Himeji liegt in der Kansai-Region, nur wenige Minuten mit dem Shinkansen von Kobe entfernt und ist eins der wenigen Schlösser, das noch kein Nachbau ist. Leider war es mir noch nicht vergönnt es aus der Nähe zu sehen, immer nur aus dem Zug. Die Burg wird leider noch bis vermutlich März 2015 renoviert, somit plane ich auch in der nächsten Zeit keinen Besuch dorthin.

Horyu-ji

Horyu-ji ist ein großer Tempel-Komplex zwischen Nara und Kyoto. Einige der Gebäude zählen zu den ältesten Holzstrukturen der Welt! Es ist ein wunderbarer Platz um ein paar Stunden zu verbringen: riesige Pagoden, wunderschöne Tempel und Pavillons und natürlich der tolle Garten. Und das beste: Es ist viel weniger überlaufen als Nara selbst!

Yakushima
Yakushima ist eine Insel südlich von Kagoshima (Kyushu) und ein wahres Naturparadies. Wer den Animations-Film "Prinzessin Mononoke" vom berühmten Studio Ghibli gesehen hat: Die Wälder in dem Film wurden zum Teil von dem Zedernwäldern von Yakushima inspiriert. Das Innere der Insel ist praktisch unberührt bis auf einige Insel-querende Wanderpfade (inkl. Hütten, da nicht an einem Tag zu schaffen). Das war aber leider nicht immer so. In der Feudalzeit wurden die riesigen Bäume von Yakushima gefällt um unter anderem Dachschindeln herzustellen. Als Resultat sind nur mehr wenige wirklich alte Bäume zu finden. Der älteste ist angeblich zwischen 2000 und 7000 Jahre alt (je nachdem wem man fragt).

Shirakami-sanchi
Das Bergland von Shirakami ist ein großer Buchenwald im Nordwesten der Hauptinsel Honshu. Ein Teil davon ist komplett unberührter Urwald und der Zutritt dort ist auch stark eingeschränkt bzw. sogar ganz Verboten. Drumherum gibt es allerdings sehr schöne Wanderpfade. Irgendwann möchte ich da auch einmal hin.

Kyoto
Ich denke zu Kyoto muss man nicht viel sagen, oder? Um einen kleinen Blick auf die Auswahl an Sehenswürdigkeiten zu bekommen, einfach links rechts auf den Tag Kyoto klicken :)


Shirakawa-go und Gokayama
In den japanischen Alpen gelegen sind die Dörfer in diesen Gegenden aufgrund der dort stehenden Fachwerkshäuser mit  Strohdächern berühmt geworden. Die steilen Dächer der mehrstöckigen Häusern sollen zum Beten gefalteten Händen gleichen, deswegen auch der japanische Name gassho-zukuri. Ein Besuch bietet sich an, wenn man das Städtchen Takayama besucht. Obwohl ich bereits mehrmals in Takayama war, habe ich es aber noch nie dorthin geschafft...


Friedensdenkmal in Hiroshima
Im Zentrum der Stadt befindet sich der "Peace Memorial Park" in dem die Überreste des Gebäudes stehen über dem die Atombombe gezündet wurde. Daneben gibt es noch einige andere beindruckende Denkmäler, aber am beeindruckensten war für mich das Museum. Wen das kalt lässt... leider sind immer noch viele Exponate und Erklärungen nicht mit englischen Übersetzungen versehen, aber das schmälert den Schrecken nur geringfügig.

Ikutsushima Schrein
Auf der kleinen Insel Miyajima, gleich neben Hiroshima gelegen, ist der Ikutsushima Schrein mit seinem berühmten torii ein der bekanntesten Bilder Japans. Bei Ebbe kann man zum Tor spazieren und drunter durchgehen. Im Sommer, Mitte August, gibt es vor der Kulisse immer ein tolles Feuerwerk.

Nara
Ich denke zu Nara muss man auch nicht viel sagen, oder? Um einen kleinen Blick auf die Auswahl an Sehenswürdigkeiten zu bekommen, einfach links rechts auf den Tag Nara klicken :)

Nikko
Wie Kyoto und Nara eine der berühmtesten Sehenswürdigkeiten Japans. Hier bitte auf den Tag Tochigi klicken (das ist die Präfektur in der sich Nikko befindet) für einige Bilder und Infos. Aufgrund des Reaktorunfalls in Fukushima befürchten viele, dass es nun zu gefährlich ist Nikko zu besuchen. Allerdings ist die Strahlung bei einem interkontinentalen Flug deutlich höher, als das was man in Nikko abbekommen würde. Die aktuellen Strahlungsdaten gibt es unter anderem hier (Englisch) und hier (Japanisch). Rom hat zum Teil höhere natürliche Hintergrundstrahlung als derzeit in Nikko vorherrscht, aber das hält niemanden davon ab nach Rom zu reisen, oder?

Archäologische Stätten des Königreichs der Ryukyu-Inseln
Okinawa war ursprünglich das Ryukyu-Königreich, das aufgrund seiner guten Position zwischen Japan, China und Südostasien ein großer Umschlagplatz für Handelswaren war. Es wurde jedoch von den Japanern bereits Anfang der Edo-Zeit (17. Jhdt.) eingenommen und dann Anfang der Meiji-Zeit (Ende 18. Jhdt.) komplett integriert. Es gibt einige Ruinen auf der Insel verteilt, jedoch lassen sich die ursprünglichen Gebäude kaum noch erahnen. Einen Besuch sind sie aber trotzdem wert, da sie landschaftlich sehr schön liegen.

Heilige Stätten und Pilgerstraßen in den Kii-Bergen
Der bekannteste Ort ist der Berg Koya. Es führen inzwischen auch immer mehr Touren dorthin. Von Osaka aus ist die Gegend in ca. 2 Stunden zu erreichen. Es empfiehlt sich aber in einem der vielen Tempel zu übernachten (mit Essen bitte!). Eine sehr, sehr schöne Gegend, die auch den einen oder anderen schönen Onsen bietet :) 

Shiretoko Halbinsel, Hokkaido
Die Halbinsel befindet sich im Osten von Hokkaido und grenzt wie man am Bild oben sehen kann an das Ohotske Meer (ja, das links ist Meer, zugefrorenes Meer). Auf beiden Seiten führen Straßen hinaus auf die Halbinsel allerdings nur ca. bis zur Hälfte. Den Rest des Weges bis zum Kap kann man nur zu Fuß (mehere Tage, keine Wege) durch absolute Wildnis bewältigen oder man nimmt im Sommer ein Schiff hinaus. Da dies Bärengebiet ist, empfiehlt sich eindeutig das Schiff :) Der Pfeil über der Straße signalisiert übrigens wo diese ist, falls der Schnee die Markierungen überdeckt, was im Winter doch immer wieder vorkommt. Die Rehe der Gegend kommen bis an die Straße heran.

Iwami Silbermine
Die Silbermine befindet sich in der Stadt Oda im Südwesten der Hauptinsel, abseits so ziemlich jeder Touristenpfade. Sie wurde im 16. Jhdt. gegründet und ist inzwischen allerdings stillgelegt (mal schauen wie lange so wie der Silberpreis steigt). Da sie sehr gut erhalten ist, sicher einen Besuch wert, wenn man schon mal in der Gegend ist.

Ogasawara Inseln
Minamijima, Teil des Ogasawara Weltnaturerbe

Die Inseln befinden sich ca. 1000km südlich von Tokyo entfernt im Pazifik. Die Fähre dorthin legt direkt von Tokyo (Hamamatsu-cho) ab und dauert nur ca. 25h :) Deswegen war ich auch noch nicht dort. Die Inseln sind vulkanischen Ursprungs und aufgrund ihrer Abgelegenheit das zu Hause von vielen endemischen Arten. Neben Iriomote werden auch diese Inseln gern das Galapagos Japans genannt. Umso mehr Grund sie endlich einmal zu besuchen!
Add On: Ist nun passiert! Einfach auf den Tag Ogasawara Inseln clicken!

Hiraizumi
Das Städchen war früher einmal die Burgstadt der einflußreichen Fujiwara Familie. Da diese auch noch dazu ziemlich reich waren gibt es jede Menge prunkvolle Gebäude zu besichtigen. Die Stadt konnte es zu seiner Zeit sogar mit Kyoto aufnehmen. Leider wurden nach dem Fall der Fujiwaras der Großteil der Gebäude wieder zerstört. Was noch steht ist aber auf jeden Fall sehenswert. Hiraizumi liegt nördlich von Tokyo in der Präfektur Iwate und ist mit dem Zug recht bequem zu erreichen. Leider stand ich bei meinem bisher einzigem Besuch vor verschlossenen Toren, deswegen hier ein paar Bilder.

Resourcen:
Gesamte Liste der neuen UNESCO Welterbestätten
Liste aller UNESCO Welterbestätten

Samstag, 19. März 2011

Japan: Interessante Berichte aus Japan und gute Berichterstattung

Sehr interessanter Video-Blog eines Amerikaners in Tokyo, der die aktuelle Situation schildert und analysiert:


Interview des Focus mit der Soziologin Watarai Tomoko


Interview mit einer Japanerin in Tokyo, ebenfalls vom Focus

Generell empfiehlt es sich die Medien derzeit in hömoopathischen Mengen zu genießen. Wer Japanisch spricht, dem empfehle ich NHK, bzw. gibt es auch die englische Fassung  NHK World (Live Stream). Der Focus scheint eine ausgewogene Berichterstattung zu haben, ebenso die BBC (Live Ticker und Stream).

Hier noch ein sehr guter Artikel des Tagesspiegel, der anscheinend Wert auf eine ruhige und vor allem gut recherchierte Berichterstattung legt. Dieser Kommentar zeugt ebenfalls von der Qualität des Mediums.

Ein weiterer, diesmal humorvoller Blick (Galgenhumor...) auf die Panikmache im deutschen Fernsehen von der Welt Online.

Ein absolut exzellentes Interview (nicht wegen der abstrusen Fragen, sondern wegen der absolut genialen Antworten) mit dem Philosophen Mishima Kenichi, das sehr schön zeigt wie die Berichterstattung hierzulande auch in Japan die Gemüter erhitzt.

Hier noch die Übersetzung eines Beitrags von Dr. Kawashima (bekannt von Dr. Kawashimas Gehirnjogging) in der Welt in der er erklärt warum er trotzdem Milch und Spinat aus Fukushima essen würde.

Sehr gute Zusammenfassung von diversen Artikel und Berichten aus den unterschiedlichsten Quellen.

Falls jemand auf weitere positive Beispiele stößt, würde ich mich über einen kurzen Kommentar freuen. Negativbeispiele gibt es genug, lieber konzentriere ich mich da auf die positiven.

Freitag, 18. März 2011

Japan: Berichterstattung der Medien in Österreich und Deutschland

In den letzten Tagen hatte ich Zeit sowohl die Berichterstattung unserer Medien, sowie auch die Reaktionen von Japanologen darauf zu sehen. Sehr prägnant fasste es Reinhard Zöllner zusammen als er schrieb, dass wir "9000km entfernt repräsentativ den Strahlentod sterben." Das ist auch meine Beobachtung. Es ist nicht so, als wäre die Berichterstattung der Medien über die Ereignisse in Japan inkorrekt, allerdings wird mit sehr viel Gusto ein Schwerpunkt auf Spekulatives und erwartungsgemäß auf das Zeigen von Leid und Schmerz gelegt.

Das Spekulative zeigt sich unter anderem an den unzähligen Artikeln die die Strahlengefahr in Europa beleuchten. Selbst wenn die darin zitierten Spezialisten immer wieder darauf hinweisen, dass keine solche Gefahr besteht, führt dies dennoch zu Panik unter der Bevölkerung. Die Resultate sind die Hamsterkäufe von Jod-Tabletten und Geigerzählern, allerdings auch die Verbreitung von gefährlichem Halbwissen und somit weiterer Panik. Besonders beliebt heutzutage sind die Geschichten über Flugtickets, die immense Summen kosten und auf "dem Schwarzmarkt" verkauft werden. Ein Blick auf Checkfelix.at zeigt, dass Hin- und Retourflüge ab Tokyo für den folgenden Tag bereits ab sehr vernünftigen EUR1030,- zu haben sind. Ich bezweifle nicht, dass viele deutlich mehr zahlen, das wäre jedoch nicht notwendig und ist Teil der Panik-Macherei die derzeit vorherrscht.

Etwas anderes, dass mich verwundert und auch verärgert sind die Artikel, die sich über den "Stoizismus" der Japaner wundern. Stellvertretend hier ein Ausschnitt aus den Interviewfragen einer "Spiegel"-Journalisten, die recht plump versuchte japanische Spezialisten zu erreichen:

"I am so sorry, I made a mistake with the time. I think it is now to late to call you for a short telephone interview. If you read this, because you're still up, I would be happy if you'd call me, but of course, I  wouldn't expect it. If possible, I would be happy if you would share your thoughts with me about the following topics. Maybe one or two quotes would be enough for our article. It would be great if your thoughts would circle around the two following questions:

Why do the Japanese people stay in Japan? Is there any philosophical, typical japanese approach to that matter of fact? Do you have an explanation for this, for us very surprising, fact. Why do the Japanese stay calm and in Japan?

How important are famous books and comics and films who deal with great catastrophies in japanese culture for the minds of the Japanese. Is the motif of catastrophies in popular japanese culture one of the main reason for the fact, that the Japanese - as you - do not flee out of their country despite the earthquake?

I would be very happy, if you could tell me your opinion on those questions of quote an influential japanese philosopher or send me one of your articles/exposees regarding the culture of Japan.

Sorry again for disturbing you so late.
All the best for you,
X.Y. (möge die Journalistin etwas daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen)"


Ich möchte dieses Mail gerne durchgehen um stellvertretend zu zeigen was das Problem mit unseren Medien und der Berichterstattung ist. Darauf, dass die junge Dame nicht einmal in der Lage war die Zeitverschiebung korrekt einzukalkulieren möchte ich gar nicht erst eingehen. Sehr interessant finde ich, dass nur "ein oder zwei quotierbare Sätze" gewünscht werden. Das zeigt meines Erachtens, dass die Journalisten sich bereits ihre eigene Meinung gebildet hat und eigentlich nur noch ein paar Leute suchen, die ihnen diese bestätigen. Als wäre das Thema eines, dass sich in ein oder zwei Sätzen abspeisen lassen würde!

Die erste Frage ist bereits ein absoluter Affront: "Warum bleiben die Japaner in Japan." Ja, warum wohl? Weil sie dort leben, lieben, arbeiten? Weil dort ihre Familie, ihr Zuhause und ihr gesamtes Hab und Gut ist? Für uns Europäer scheint es ein schwer zu verstehendes Konzept zu sein, das man keine angrenzenden Nachbarländer hat in die man "fliehen" kann. Japan ist eine Ansammlung von Inseln, und somit umgeben von Wasser. Was außerdem komplett außer Acht gelassen wird und von Unwissen spricht: Japan ist ein großes Land. Es zieht sich von der Sub-Arktis bis in die Sub-Tropen. Nicht ganz Japan ist von der derzeitigen Katastrophe betroffen. Es gibt viele die Ihre Frauen und Kinder jetzt in den Süden schicken, weil sie sich Sorgen machen um die austretende Strahlung. Als wäre das nicht schlimm genug, warum sollte man seine Familie ins Ausland schicken, dessen Sprache sie vermutlich nicht, oder nur schlecht sprechen? Ist das denn wirklich so schwer zu verstehen? Ein Blick in einen Atlas sollte diese Frage doch bereits nichtig machen.

Die Folgefragen fischen nach Stereotypen: die Japaner, eine typisch japanische Reaktion, etc. Als wäre das japanische Volk eine homogene Masse und nicht eine Vielzahl von Individuen mit unterschiedlichen Weltbildern und Reaktionen. In Okinawa kam man sich zum Teil vor wie in einem anderen Land, die Menschen waren zum Großteil ebenso von den Nachrichten abhängig, wie unserer einer hier. In Tokyo und Yokohama hingegen machen sich die Menschen zum Großteil wirklich Sorgen, was andere aber nicht davon abhält ihrem normalen Leben nachzugehen. Es wird gelacht auf den Straßen von Tokyo, ja darf man das denn überhaupt? Die Medien hier wünschen sich anscheinend, dass jeder nur mehr ein Häufchen Elend ist, aber die Reaktionen sind so unterschiedlich, wie man es sich nur vorstellen kann. Ein Unterschied zu uns ist jedoch die gute Vorbereitung auf Naturkatastrophen, die das stete Zusammenleben mit diesen bedingt. Das hält einen nicht davon ab Angst zu haben wenn ein unvermutet starkes Erdbeben kommt, aber es hilft einem richtig zu reagieren. Und nein, dieses Wissen kommt nicht von Godzilla und Comics, sondern von Drills in Firmen und Schulen. Wenn die Japaner bei jedem Erdbeben ihr Land verlassen würden, dann würden die Inseln bald fast komplett brach liegen. Ganz zu schweigen von den Vulkanen...

Was mich zu dem Punkt bringt, der die "Ruhe" der Japaner anspricht. Es gab meines Wissens nach keine Plünderungen, nur Hamsterkäufe, die nun ebenfalls durch Regelungen minimiert werden. Das scheint zu überraschen. Warum? Weil ein Österreicher nur an sich und seine Familie denkt und dabei alle anderen zur Seite wischt? Sind wir tatsächlich so unzivilisiert, dass wir zivilisiertes Verhalten als "unnatürliche Ruhe" ansehen, die einer Erklärung bedarf? Sollten wir in dem Fall nicht lieber den Blick auf uns selbst richten und uns fragen warum uns das so seltsam vorkommt?

Ich weiß, man kann die Medien nicht wirklich zügeln, aber ich sehe den Schaden den sie anrichten. Meine Mutter war in absoluter Panik, obwohl ich 2000km weit von dem Erdbeben, Tsunami und Fukushima entfernt war. Tripolis ist Wien näher als die Insel auf der ich war Tokyo. Auf dem Flughafen in Tokyo hörte ich Geschichten von Menschen die auf Drängen ihrer Familien Japan verließen und dafür aus allen Teilen Japans abreisten. Sehr viele von ihnen taten es widerwillig. Sie hatten das Gefühl ihre Freunde und Arbeitskollegen im Stich zu lassen und unnötig weitere Angst zu verbreiten. Vor meinen Augen hatte ich ungebeten das Bild von Ratten die das sinkende Schiff verlassen. Viele von den Betroffenen sind jedoch nicht Menschen die "nach Hause" fliegen, sondern Menschen, deren zu Hause bereits in Japan liegt. Menschen die hier ihren Lebensmittelpunkt aufgebaut haben, sogar Familie hier haben. Menschen, denen bewusst ist, dass sie mit ihrer Entscheidung wegzufliegen mühsam aufgebaute Brücken zerstören. Menschen, die dies jedoch nicht offen sagen können, weil sie hier nur auf Unverständnis stoßen. Was die Medien zeigen wollen sind glückliche Rückkehrer, die sich in letzter Minute nur mit den Sachen auf ihrem Leib vor einer Katastrophe ins Mutterland retten konnten. Ist es das was wir sehen wollen? Ich möchte jedoch betonen, dass ich diejenigen, die sich entschlossen haben, oder entschließen Japan zu verlassen nicht verurteile. Ich appelliere nur für eine differenziertere Darstellung der Umstände, die zu diesem Entschluss führten.

Ich lebe nicht in Japan, habe dort nur ein Jahr als Student verbracht, und war auch dieses Mal nur zufällig als Tourist dort. Ich kehrte wie geplant mit dem ursprünglich gebuchten Flug retour. Ich war von Anfang an nur als Tourist da, dennoch fühle ich mich fast als Verräterin. Als Ratte, die genießt solange alles gut läuft und dann als erste das Schiff verlässt, wenn es woanders besser aussieht. Vielleicht schmerzt mich deswegen diese Berichterstattung und Panikmache so. Ich stelle mir immer wieder die Frage ob es nicht bereits schon schlimm genug ist. Menschen die das Erdbeben und den Tsunami überlebt haben, sterben nun an Erschöpfung mangels ausreichender Nahrung und Wärme in den Flüchtlingslagern. Ist das nicht schlimm genug? Müssen wir bei so etwas noch zusätzlich Leid schaffen mit Spekulationen und Panikmacherei? Warum nicht einfach helfen soweit wir können und besonnen, mitfühlsam, ja zivilisiert mit der Situation umgehen? Ich leiste meinen kleinen Teil mit einer Spende ans Rote Kreuz und damit, dass ich nicht die Nachrichten laufen habe. Stattdessen überprüfe ich die Lage ab und zu und versuche ruhig zu bleiben. Zivilisiert zu bleiben. Vielleicht gelingt das dem geneigten Leser ja auch?


Spenden für Opfer

Mittwoch, 16. März 2011

Japan: Ishigaki - Naha - Tokyo - Seoul - Wien

Nachdem Freunde und Verwandte mich gebeten hatten meinen Rückflug nach Hause wenn möglich nicht über Tokyo zu tätigen, habe ich testweise aus Ishigaki bei der Austrian anrufen lassen, ob eventuell auch ein Rückflug mit der Lufthansa ab Osaka möglich wäre. Die lapidare Antwort: Sicher, ich müsste meinen AUA Flug stornieren und mir ein neues Flugticket kaufen. Sind ja zwei verschiedene Fluglinien auch wenn sie zur selben Fluggesellschaft gehören... so wie das ganze sich in Österreich darstellt, hätte ich doch etwas mehr Unterstützung erwartet.

Goodbye Ishigaki


Himmel über den Yaeyama Inseln

Also blieb mir nichts anderes übrig als auf die japanischen Nachrichten zu vertrauen mit der Hoffnung das das erwartete große Nachbeben nicht gerade während meines kurzen Aufenthalts in der Kanto-Gegend stattfindet. Ab Naha ging es dann mit dem vollgepackten, großen Pokemon Jumbo der ANA Richtung Tokyo.

Pokemon Jumbo der All Nippon Airways
Der Flug verlief ohne Probleme. Sobald wir das "Festland" erreichten verdunkelte sich der Himmel und als wir uns Tokyo näherten sanken wir in ein Wolkenmeer. Unter den Wolken nur noch mehr Wolken. Mit kurzer Verspätung landeten wir dann jedoch am Haneda Flughafen in Tokyo.

Bewölkter Himmel über Tokyo
Am Flughafen rief ich dann zuerst meine Freundin R. an um ihr zu sagen das ich gut gelandet bin und damit sie bitte meinen Freund und damit meine Familie informieren kann. Nachdem ich meinen Koffer geschnappt hatte ging es in das Gewühl des Flughafens. Sehr viele Menschen versuchten Hotels zu buchen, aber zum Glück hab es vor dem Airport Limousine Bus Automaten nur eine kurze Schlange. Die Abholung bzw. Zustellung zu Hotels in Tokyo und Umgebung war zwar ab 14:00 eingestellt worden, der Verkehr zwischen den Flughäfen und zum Tokyo und Yokohama City Air Terminal verlief aber planmässig.

Im Bus musste ich mir die ganze Zeit anhören wie ein junges Mädel erzählte, dass sie von ihren Eltern nach Canada zurückbeordert wurde, obwohl sie eigentlich sicher im Süden Japans verweilt hatte. Sie schaffte es tatsächlich die ganze Fahrt auf den älteren Herrn neben sich einzureden als würde die Welt auf der Stelle untergehen... die Japaner rundherum schliefen meistens, es befanden sich sehr viele Familien im Bus, hauptsächlich solche mit einem japanischen und einem ausländischen Elternteil. Wer konnte versuchte also tatsächlich mit seiner Familie das Land zu verlassen.

In Narita angekommen wartete ich auf den Hotelbus und war dann endlich im Tobu Narita Airport (vormals Holiday Inn), wo ich beim einchecken gleich darüber informiert wurde, dass am nächsten Tag vermutlich ab 6:00 früh der Strom abgedreht wurde. Da in der Kanto-Region der Strom knapp wird, gibt es alle paar Stunden Stromabschaltungen. Nachdem ich mich versichert hatte, dass das den Flughafen nicht betrifft ging ich in mein Zimmer und stöpselte mich zuerst einmal ans Internet, wo ich mit meinem Freund und meiner Mutter chattete. Erst nachdem die Austrian Maschine aus Wien gestartet war legte ich mich kurz schlafen. Der Wecker war schon mal auf 05:30 morgens gestellt. Den Koffer hatte ich vorher schon runtergebracht, da ich ihn notfalls nicht 8 Stockwerke hinunter tragen wollte.


Info des Hotels über die Stromabschaltung

Morgens verlief alles nach Plan und nach einem kurzen Frühstück (in der Nacht war noch ein Zettel auf Englisch und Japanisch unter der Tür durchgeschoben worden, dass die Abschaltung erst um ca. 6:20 beginnen sollte), war ich um 06:30 bereits wieder im hoteleigenen Shuttlebus zum Flughafen. Die AUA hatte mich per E-Mail über den früheren Start informiert und gebeten früh am Flughafen zu sein. Das ich trotzdem früh dran war, war mir klar, als dann aber bereits die Lufthansa für ihrem zwei Stunden später startenden Flieger das Check-in begann und sich mir bei der AUA immer noch folgendes Bild bot, begann ich doch etwas zu schwitzen.

Leere AUA Schalter am Flughafen Narita
Vor allem weil sich auf der anderen Seite bereits elend lange Schlangen bildeten vor den Ticketverkaufschaltern.

Schlangen vor den Ticketverkaufsschaltern im Terminal 1
Nach einigem Herumfragen konnte mir eine Lufthansa Dame sagen, dass die Leute von der AUA um 9:25 da sein sollten, aber vermutlich heute ein bisschen früher kommen... wenn man bedenkt, dass der Check-in um 10:45 schließen sollte, doch etwas knapp um danach noch durch die Security rechtzeitig zum Flug zu kommen... kurz vor 9:00 wurden dann die Schalter doch noch besetzt. Auf meine Nachfrage wurde mir bestätigt, dass der Flug überbucht war, aber in der Business noch Plätze frei seien. Ein gratis Upgrade wollte mir dann aber doch nicht gönnen (fragen darf man aber noch).

Nachdem ich endlich meinen Koffer los und mein Ticket in der Hand hatte, hatte ich nicht mehr wirklich die Muse einkaufen zu gehen, obwohl ich nicht wusste wann sich wieder einmal die Möglichkeit bieten würde herzukommen. Außerdem war ich müde. In der Nacht war ich drei Mal von Erdbeben geweckt worden. Ich ging zu einem der Telefone und rief meinen Freund an um ihm zu sagen, dass ich nun eingecheckt war und alles okay ist. Erstaunlicherweise lief meine 100 Yen Münze einfach nicht aus. Die Telefonate ins Ausland, zumindest über die Vorwahl 001 010 +Landesvorwahl waren am 15. März von den öffentlichen Telefonen in Narita (und vermutlich auch anderswo) kostenlos. Eventuell einen Versuch wert, wenn man in Japan ist.

Danach ging ich gleich zu meinem Gate. Das Internet am Flughafen war auch komplett auf gratis umgestellt (also nicht nur bei den gratis Google WiFi Terminals), allerdings sehr zäh. Nach einem weiteren kurzen Anruf blieb nur mehr das Warten auf das Flugzeug. Relativ pünktlich landete es und mit nur geringer Verspätung startete die OS052 nach Seoul. Die Crew an Board sah ziemlich müde aus, war aber gut aufgelegt und erzählte mir, dass einige Plätze frei bleiben würden, trotz Überbuchung, weil es wieder nicht alle zum Flughafen geschafft hatten.

Der Flug selbst war soweit wie möglich angenehm. In Seoul wurde die Crew gewechselt und das Flugzeug aufgetankt. Über Peking, die Mongolei, Sibirien, Moskau und Warschau ging es dann nach Hause. Ich setzte mich um und hatte dann den Platz neben mir frei, also ringelte ich mich ein und schlief dann immer fast vier Stunden tief und fest. Kurz vor 19:00 landete die Maschine dann in Wien. Da ich in der letzten Reihe saß war ich die Erste an der Tür, wurde aber von einem Polizisten gestoppt. Unten wurde doch tatsächlich ein Strahlungsmeßgerät aufgebaut. Jeder von uns ging einzeln hinunter, mußte sich um 360° drehen und wurde dann von der Feuerwehr fotografiert. Danach ging es erst in den dahinter stehenden Bus.

Strahlenkontrolle bei Ankunft in Wien

Danach hieß es erst einmal lange, lange warten. Da unser Gepäck vermutlich ebenfalls auf Verstrahlung getestet wurde, ließ es sich ziemlich lange nicht blicken. Als es dann endlich doch rauskaum wurden die Ankünftler, vor allem die armen Japaner die auf Wien-Reise hier waren und nicht wussten wie ihnen geschah, von den Medien erwartet.
ORF, Servus TV, und was weiß ich war alles da. Mein Freund schnappte mich schnell und in Nullkommanichts waren wir aus dem Trubel verschwunden. Endlich daheim. Jedoch mit einem schlechten Nachgeschmack.

Ankunft am Wiener Flughafen, die Presse wartet bereits

Montag, 14. März 2011

Japan: Uehara-Oohara-Ishigaki

Heute Morgen hieß es wieder einmal früh aufstehen. Da ich das Auto in Oohara gemietet hatte, wollte ich es auch wieder zurückbringen (obwohl ich es für 1500 Yen auch in Uehara abgeben hätte können). Zum ersten Mal begrüßte mich die Morgenröte und das Wetter versprach das schönste bisher auf der Insel zu sein. Frühstück sagte ich ab, da mein Magen so früh noch nicht dafür bereit war und verabschiedete mich noch von der residenten Katze.
Katze der Pension Hoshi no Suna
Kaum hatte ich den ersten Hügel erreicht, erwartete mich dahinter folgender Anblick.
Blick auf das Hinterland
Ich wünschte wirklich ich hätte jetzt wo ich endlich gesund war und das Wetter sich endlich gebessert hatte länger bleiben können. Iriomote zeigte sich von seiner schönsten Seite und ließ mich den festen Entschluss fassen auf jeden Fall wieder hierherzukommen.
Der Hafen von Funaura
Blick von der Funaura Brücke aufs Hinterland
Blick auf den Hinai-Wasserfall von der Funaura Brücke
Mangrovenwald am Ufer einer Flussmündung
Schlangenweihe (Spilornis cheela perplexus)
Straße im Morgennebel mit einem Warnschild für die Iriomote Wildkatze
Blumen am Straßenrand
Reisfelder auf Iriomote
Nakagawa Fluss knapp vor Oohara
Knapp vor 10:00 erreichte ich planmäßig Oohara und gab nach dem Volltanken meinen Mietwagen ab. Bevor ich überhaupt Luft holen konnte saß ich schon im Shuttlebus zum Hafen, wo die Fähre bereits angelegt hatte. Schnell kaufte ich ein Ticket und bevor ich es mich versah legte das Schiff bereits ab und die Umrisse von Iriomote verschwanden am Horizont. Irgendwie war alles zu schnell gegangen...

In Ishigaki nahm ich das Taxi (1030 Yen zum Flughafen) statt dem Bus (200 Yen), da ich einfach nur mehr alles schnell hinter mich bringen wollte. Immerhin lag ja die ungewisse Rückreise über Tokyo vor mir.

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