Sonntag, 18. März 2012

Begegnungen mit der Yakuza in Japan

Japanischer Polizist beim Abnehmen von Fingerabdrücken
Im April ist mein 10-jähriges Japan-Jubiläum. Damals reiste ich zum ersten Mal nach Japan. Seit diesem ersten Mal habe ich ein Jahr in Japan gelebt und inzwischen mehr Reisen dorthin getätigt als man noch zählen würde. Um ehrlich zu sein, keine Ahnung wie viele es waren, aber einige. Zum Teil 2-3 Mal pro Jahr. Ein Job in der Reisebranche gibt einem Zugang zu günstigen Tickets und den habe ich genutzt.

Eine Frage, die ich immer wieder gestellt bekomme, ist ob ich jemals an die japanische Mafia, die Yakuza (Aussprache: Iacksa), geraten bin. Ich kann über zwei Ereignisse berichten, wo ich das bejahen kann, eventuell waren da mehr, aber ich kann es nicht sagen. Ich wurde mir erst im Nachhinein darüber klar, bzw. wurde darüber aufgeklärt, was da eigentlich abgelaufen war.

Das erste Mal war 2003 während meines Auslandsjahrs in Japan. Ich fuhr zusammen mit zwei Studienkolleginnen zum Thermen- und Meereskurort Atami. Eines Abends gingen wir in der Kleinstadt spazieren und fragten einen Motoradkurier wo der nächste 24-Stunden Supermarkt ist. Er erklärte uns den Weg und gab uns außerdem eine Visitenkarte zu einer "Snack-Bar" und lud uns dorthin ein. Da wir nichts für den Abend geplant hatten, dachten wir uns, warum nicht.

Wie sich herausstellte war die Snack-Bar ein winziges Lokal mit einer Bar und zwei kleinen Tischen. In einer Ecke befand sich ein Fernseher für die Karaoke-Maschine. Wir wurden auf ein Glas Wein und Erdnüsse eingeladen und dann gekonnt zwischen die anderen Gäste gesetzt und gebeten uns mit ihnen zu unterhalten und später dann auch Karaoke zu singen. Irgendwann holte der Besitzer auch einen Stock hervor und erzählte uns, dass der vor 100 Jahren von seinen Vorfahren verwendet wurde, gegen die Polizei...

Langsam wurde uns das ganze unangenehm. Wir verabschiedeten uns und wurden gebeten für den Wein zu zahlen. Wir hatten unseren "Job" die anderen Gäste zu unterhalten offensichtlich nicht erfüllt. Uns wurde gesagt wir wären "kalt". Erst als wir draußen waren sagte meine Kollegin mir, dass der Stock den er uns gezeigt hatte ein Symbol für die Yakuza war. Plötzlich ergab alles irgendwie Sinn...

Es wurde nie irgendwie Druck auf uns ausgeübt, es folgte uns niemand und es lief alles sehr zivilisiert ab, aber im Nachhinein, war mir das ganze doch unheimlich und ich war froh, dass wir den "Test" für was auch immer nicht bestanden hatten.

Das nächste Mal traf ich 2005 auf die Yakuza, auch hier bemerkte ich es zuerst nicht. Ich war mit meiner Freundin mit dem Mietwagen durch Japan unterwegs. Dies war der letzte Tag unserer Reise und wir waren unterwegs von Nagano nach Tokyo. Am Abend hielten wir bei einem McDonald um uns etwas zu stärken. Als wir zu unserem Auto kamen, waren wir von einem Pick-up Truck ziemlich zugeparkt worden. Da der Besitzer nirgendwo zu sehen war blieb mir nichts anderes übrig als mich mit immer wieder reversieren zentimeterweise aus der Lücke zu quälen. Als ich endlich fast draußen war, kam der Besitzer des Wagens und beschuldigte mich sein Auto touchiert zu haben.

Ein Ding der Unmöglichkeit, da er links von mir stand, ich das Fenster offen hatte, immer einen Blick auf den Spiegel und natürlich, da in Japan, auf der linken Seite saß. Da er ziemlich aufgebracht war und sich so vor mich stellte, dass ich nicht rausfahren konnte, reversierte ich wieder in die Parklücke und stoppte den Motor. Er kam schimpfend zum Fenster und versuchte den Schlüssel herauszuziehen und an sich zu nehmen, worauf ich das Fenster zu machte. Er drohte die Polizei zu holen und ich sagte ihm höflich, dass solle er bitte tun.

Er packte tatsächlich sein Handy und rief irgendwo an und wir warteten, während er zwischen seinem und unserem Auto auf und ab ging und immer wieder mit uns schimpfte. Nach vielleicht knapp 10 Minuten blieb ein Polizeiwagen stehen. Wir öffneten wieder die Scheibe, während er wild auf die Polizisten einredete. Wir stellten uns dann kurz vor und gaben ihnen unsere Pässe und den internationalen sowie nationalen Führerschein. Unsere Papiere waren absolut in Ordnung, was der Aggressor offensichtlich nicht vermutet hatte. Bei zwei ausländischen Frauen im Auto hatte er vielleicht gedacht, dass wir Hostessen waren? Keine Ahnung.

Die Polizei untersuchte sein Auto vorne, wo wir in angeblich touchiert hatten und fand nichts. Auf unserer Fahrerseite befand sich aber an der Tür ein langer Kratzer, der definitiv vorher noch nicht dagewesen war, was ich auch sagte. Der Polizist bat uns ins Auto zu steigen, da es dann tiefer lag und dem Unfallzeitpunkt entsprach. Mit einem Maßband ermittelte er die Höhe des Kratzers und siehe da, er entsprach keiner möglichen Stelle am anderen Auto. In dem Moment sprang der andere Typ in sein Auto und fuhr ohne ein Wort weg. Der Polizist kam zu dem Schluss, dass er uns das Auto mit einem Schlüssel zerkratzt hatte um es so aussehen zu lassen, als wäre doch was passiert.

Die Polizei bat uns einen Bericht bei ihnen in der Station abzugeben und wir fuhren ihnen hinterher. Wir erklärten genau was vorgefallen war und wurden darüber aufgeklärt, dass der Typ ein bekannter Handlanger der Yakuza ist und dass es besser wäre sich nicht mit der anzulegen und eine Anzeige gegen unbekannt zu machen. Was wir auch taten. Nach gefühlten drei Stunden (jedenfalls einer sehr langen Zeit) hatte der Polizist seinen handgeschriebenen Bericht fertig. Wir unterschrieben, erhielten eine Kopie für die Versicherung der Mietwagenfirma und durften wieder weiterfahren.

Die ganze Zeit über waren die Polizisten sehr höflich und korrekt zu uns. Allerdings kostete uns das ganze sehr viel Zeit (und somit Geld für die Autobahn, da es bereits viel zu spät war um es sonst noch zeitgerecht nach Tokyo zu schaffen) und letztendlich noch mehr Geld, da die Mietwagenfirma die Anzeige gegen Unbekannt nicht akzeptieren wollte. Letztendlich einigten wir uns auf die Hälfte des Selbstbehalts, also 10.000 Yen, die für den Schaden zu bezahlen waren. Die Einigung erlangten wir auch erst, als wir unsere komplette Geschichte inklusive dezenten Drängen der Polizei auf Anzeige gegen Unbekannt erzählt hatten...

Würde ich es wieder so machen? Schwer zu sagen. Mein Gerechtigkeitssinn drängt mich eindeutig dazu diesen Arsch ('Tschuldigung, aber ist so) anzuzeigen, allerdings habe ich auch vor zukünftig oft Japan zu bereisen und ich glaube nicht, dass es sinnvoll ist sich mit der Yakuza anzulegen, auch in einer scheinbar so kleinen Angelegenheit wie Vandalismus. Letztendlich würde ich also einmal tief ein- und ausatmen und wieder dem Rat der Polizei folgen.

Interessant ist, dass ich bei beiden Erlebnissen mit Freundinnen zusammen war, sprich eine reine Frauengruppe. Seit ich allein durch Japan reise hatte ich keine einzige bewusste Begegnung mit der Yakuza mehr. Das sind nun bereits sieben Jahre. Um "Snack Bars" mache ich seitdem jedoch einen weiten Bogen. Mit dem Mietwagen fahre ich jedoch immer noch gerne und es gab auch keine weiteren Zwischenfälle mehr. Entweder man fällt als Alleinreisende weniger auf, oder aber ich bin einfach zu uninteressant und meine Freundinnen haben die Aufmerksamkeit auf uns gelenkt. Ich denke, dass es wohl ein bisschen von Beidem sein wird.

Habe ich also Angst vor der Yakuza? Nein, habe ich nicht. Aber ich habe Respekt vor ihr und werde mich tunlichst fernhalten.

Das Bild oben entstand übrigens ebenfalls 2005. Meiner Freundin war in ihrer Unterkunft Geld aus Ihrem Geldbörsel gestohlen worden. Die Polizei nahm Fingerabdrücke davon und dann von den Bewohnern, aber leider fanden sich nur ihre Fingerabdrücke darauf.

3 Kommentare:

Anonym hat gesagt…

Vielen Dank dass du dir die Zeit dafür genommen hast, Ich hoffe das Ich es auch mal nach Japan schaffe und der Yakuza nicht begegne.

Zooming Japan hat gesagt…

Wow, sehr spannend!
Da bin ich ja froh, dass mir sowas noch nie passiert ist.
Zumindest kann ich mich an keinen solchen Vorfall erinnern.

P.S.: Plane gerade einen Trip nach Okinawa und les mich daher grad nochmal durch deine alten Einträge! ^-^

Marius Launer hat gesagt…

Du hast wirklich mum alleine durch die Welt zu reisen .
Ich weis nicht ob ich hätte mcih getraut . allerdings ich känne kein Japanisch und Englisch leider auch nicht ... und mit Deutsch ahppert ein wenig :-)
Sehr schöne und Spannende geschichte da auch ich Japan bewundere ( leider bis jetzt war ich dort nie ) werde mit Interesse dein Blog verfolgen .

lg czoczo-marius

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