Donnerstag, 3. März 2011

Japan: Kabira Bay und zu Fuss nach Yonehara

Nach dem ausgezeichneten Frühstück schnappte ich mir den Bus der Kabira Line nach Kabira und warf mal einen genaueren Blick auf die Stadt. Wobei Stadt wirklich übertrieben ist, denn außer ein paar Souveniergeschäften im "Zentrum" gibt es hier nicht viel zu sehen. Am Ufer entlang gibt es einen recht schönen Park, aber die meisten Leute stoppen hier um eine Fahrt mit dem Glasbodenboot in der Bucht zu machen. Man darf hier weder schwimmen und schnorcheln. Einerseits wegen der Glasbodenboote die hier hin- und her hetzten (zumindest in der Hauptsaison), anderseits weil die Strömung hier sehr stark ist und sich auch Quallen gerne hier aufhalten. Jede Menge Gründe also um nicht gerade hier ins Wasser zu gehen.

Also tat ich, was man so tut hier und besorgte mir ein Ticket für das Glasbodenboot. Das Wetter war immer noch grau und bewölkt und nicht gerade warm, aber was soll's. Es gibt mehrere Anbieter, ich nahm die, die mir am sympathischten waren. Der Preis ist sowieso überall gleich, 950 Yen (offiziell 1000, aber nach dem kaum Touristen da waren), das sind zwischen 8-9 Euro für 30 Minuten. Ach ja, ich war der einzige Gast.

Und das hier sieht man dabei:
In Kabira gibt es sehr viele unterschiedliche Korallen
Clownfische in Anemonen (Finding Nemo :)
Auf Japanisch nennt man dieses Ding "Seefächer", weiß jemand wie es auf Deutsch heißt?
Tischkorallen
Irgendwelche Weichkorallen
Jede Menge blaue Korallen
Unterschiedliche Korallen und Anemonen mit Fischen
Großer, bunter Fisch (weiß jemand was das ist?)
Korallen, Anemonen und Fische
Noch mehr unterschiedliche Korallen mit Fischen
Es gibt hier wirklich jede Menge Fische nur ist der Winkel nicht besonders gut...
Blick oberhalb des Wassers auf den Berg Omoto (mit 526m der höchste Berg von Okinawa)!
In der Bucht sind viele Inselchen mit privaten Stränden
Für jeden Geschmack ist etwas dabei :)
Da es nicht mehr hier zu tun gab, ging ich die Hauptstraße langsam aus Kabira hinaus. Wer nach Kabira hineinkommt, muss die gleiche Straße wieder hinausfahren. Der Verkehr hielt sich jedoch stark in Grenzen. Zumindest regnete es nicht.

Unterwegs fand ich noch einen Awamori (Okinawa Reisschnaps) Produzenten. Man hatte eine große Wand mit Fotos, die die einzelnen Stationen zeigen (natürlich alles nur auf Japanisch beschriftet). Außerdem ein großes Fenster wo man den Leuten beim Reis wälzen zuschauen konnte.
Reis wälzen zur Awamori Produktion
Die ersten Schritte der Awamori Produktion
Gleich schräg gegenüber war ein Postamt mit Bankomat (Maestro Bankomatkarte funktioniert hier problemlos), allerdings gab es hier nicht wirklich was zum Geld ausgeben, also brauchte ich auch keines abheben. Allerdings fand ich etwas Lustiges in der Auslage:
150 Jahre Freundschaft Deutschland-Japan Briefmarkenset
Nach ziemlich kurzer Zeit war das Städtchen aus und ich ging auf einem Gehweg entlang der Straße entlang. Hie und da gab es ein Reisfeld, oder das Mehr zu sehen, aber hauptsächlich nur Dschungel. Außer mir war niemand unterwegs, aber die Bäume waren voller Vögel.
Diese Meise (Parus cinereus nigriloris) setzte sich direkt vor mich und schaute mich einfach an
Der Japan-Brillenvogel (Zosterops japanica loochooensis) ist schwer zu entdecken
Meise mit Nestbaumaterial im Schnabel (Parus cinereus nigriloris)
Nach einer sehr kurzen Strecke, aber relativ viel Zeit, da ich immer wieder stehen blieb und versuchte Vögel zu fotografieren, kam ich an einen kleinen Abzweiger. Das Coccala warb mit frisch gepressten Fruchtsäften. Zeit für eine Pause!
Das Coccala auf Ishigaki
Frischer Mangosaft auf der Terrasse mit Blick auf die Bucht von Kabira
Panorama der Aussicht auf die Bucht von Kabira (draufklicken!)
Im Inneren hatte die Besitzerin noch ein besonderes Extra. In einer Vase steckten Zweige mit hübschen gelben Puppen der weißen Baumnymphe (Idea leuconoe). Mit etwas Glück kann man einem Schmetterling beim schlüpfen zusehen!
Puppen der weißen Baumnymphe (Idea leuconoe)
Gestärkt ging ich weiter und hielt mich dabei Richtung Küste. Irgendwie musste man ja dorthin kommen! Doch vorher entdeckte ich dieses tolle Tier.
Entdecke die Frucht-Fledermaus (Pteropus dasymallus yayeyamae) in den Mangroven!
Kommt auch bei uns vor: Grünschenkel (Tringa nebularia)
Dann entdeckte ich auch schon einen Pfad durchs Gebüsch Richtung Küste und fand mich bei Ebbe am Strand wieder. Dort traf ich auf einen alten Bekannten von mir.
Diese kleinen Punkte sind Soldaten-Krabben (Mictyris brevidactylus) und treten bei Ebbe in Massen auf um zu Fressen.
Bei Gefahr rollen sich diese Soldaten-Krabben in Sekundenschnelle im Sand ein
So klein und schaut schon so grimmig :)
Natürlich gab es am Strand auch Mangroven. Zwei Flüss(chen) münden in die Bucht und es gibt in der Gegend auch einige Anbieter von Kajak-Touren, allerdings waren mir die etwas zu teuer (im Bereich 80-100 Euro).
Mangroven-Samen (Bruguiera gymnorrhiza) am Baum
So klein und schon eine Mangrove (Bruguiera gymnorrhiza)!
Danach ging es wieder retour auf die Straße und weiter Richtung Yonehara. Warum Yonehara? Weil es dort einen sehr schönen Strand gibt. Die Straße ging nun bergauf und bald war ich schon wieder durstig. Genau rechtzeitig fand sich ein Geschäft, dass unter anderem Zuckerrohr-Saft anbot. Ich liebe Zuckerrohr-Saft!
Ganz oben steht Zuckerrohr-Saft!
Jedoch war das Ganze nicht so einfach. Das ist eigentlich eine Farm und hier kommt man normalerweise mit einer Gruppe her und macht eine "Zuckerrohr-Erfahrung", die einen halben oder ganzen Tag dauert. Ich bekam (kostenlos) die schnelle Tour. Wir gingen zum Feld hinunter, dort wurde mir gezeigt wie man Zuckerrohr mit einer Sichel fällt (keine Fotos, meine Finger waren mir zu wichtig). Nach deutlich längerer Zeit als meine Lehrerin hatte ich dann ein paar Stangen am Boden liegen und die Seitenäste entfernt. Dann das ganze zur Presse getragen, die natürlich händisch bedient wird. Man rennt im Kreis bis die Stangen auf der anderen Seite wieder herauskommen. Insgesamt war das Resultat zwei volle Gläser Zuckerrohr-Saft. Dazu noch eine Süßigkeit die aus Zuckerrohrsaft gefertigt wird (wie lernt man auch hier) und dann war es endlich Zeit für die Pause!
Mein Bild hängt jetzt vermutlich auch an dieser Wand!
Von dort war es nicht mehr weit bis Yoshihara. Hier einmal ein Überblick:
© Google Maps
A ist das Seamen's Club Ishigaki Hotel (yup, inklusive Deppen-Apostroph) und B ist Yoshihara. Das sind ca. 2/3 der Strecke nach Yonehara. Nach Yoshihara wollte ich unter anderem, da hier ein Shisa Kurs angeboten wird. Wer sich nicht erinnert, das sind diese Löwenhunde die als Schutz vor den Häusern stehen. Mein Ziel war auch gar nicht schwer zu entdecken.
Shisa an der Mauer direkt an der Hauptstraße
Ich folgte den Pfeilen in eine Seitengasse und stand gleich vor einem leeren Atelier. Weit und breit war zuerst niemand zu sehen, aber dann entdeckte ich wie ein älterer Herr gerade heimkehrte und fing ihn ab. Es stellte sich heraus, dass er die Workshops anbietet! Ich fragte gleich ob ich mich für morgen anmelden kann, aber er winkte ab. Der Ton muss ca. zwei Wochen getrocknet werden und da wäre ich schon nicht mehr in Japan. Der Versand war mir auch zu teuer :( Also kein selbstgemachter Shisa für mich! Dafür zeigte er mir sein Atelier, erzählte mir wie er nach der Pensionierung hierhergezogen war und nun töpferte. Das nenne ich einen tollen Lebensabend! Er schenkte mir dann noch zwei kleine Figürchen, einen Einsiedlerkrebs und einen Schlammspringer. Warum gerade die beiden? Weil ich erwähnt hatte, das die mir super gefallen und ich die Tierchen voll gern habe. Sie stehen nun im Bad und schauen mich immer beim Zähneputzen an :)

Ich bedankte mich natürlich vielmals und gerade als ich mich verabschieden wollte, fragte er mich noch ob ich dies oder das schon gesehen hätte. Ich hatte nicht verstanden was er meint und dann führte er mich noch mal in einen überwachsenen Bereich des Gartens und zeigte mir eine Art Efeu. Das Futter der Raupe der weißen Baumnymphe, wie sich herausstellte. Darauf befanden sich sowohl Raupen, als auch Puppen als auch frisch geschlüpfte Schmetterlinge!
Raupe der weißen Baumnymphe (Idea leuconoe)
Frisch geschlüpfter Schmetterling (Idea leuconoe)
Als letztes begleitete er mich noch zur Hauptstraße um mir unterwegs seinen Obstgarten zu zeigen. Darin befanden sich alle möglichen tropischen Früchte.
Blüten der Banane!
Okinawa Zitrone a la Shikwasa (Citrus depressa)
Direkt im Dorf gab es eine Busstation und ich sah nach wann wohl der letzte Bus geht und war ziemlich überrascht, dass der schon kurz vor 17:00 Richtung Kabira rennt! Da es nur mehr 25 Minuten bis dahin waren, ging ich nur mehr in den Mini-Shop und deckte mich mit etwas Süßen ein und wartete auf den Bus. Spätestens als ich die Preise sah, wusste ich, dass es besser gewesen wäre das Busticket zu kaufen, das auch diese Buslinie inkludiert und für 5 Tage nur 2000 Yen kostet. Yup, der Bus war teuer. Zwei Mal fahren und man ist bereits deutlich günstiger dran mit dem Kombi-Ticket.

Der Bus fuhr mit einem Mordstempo und überfuhr fast einen Pfau. Ja, ich meine einen PFAU! Ich dachte ich spinne schon, aber als ich nachher im Hotel fragte, sagte man mir, dass es auf Kurojima noch viel mehr davon gibt. Das setzte diese Insel auf meine definitive Reiseroute. Pfaue!

In Kabira angekommen holte ich mir vom Okonomiyaki-Restaurant Takoyaki (Tintenfischbällchen) zum mitnehmen und ging retour Richtung Hotel.
Schönes Blümchen am Straßenrand
Feuerwehr von Kabira
Korallenblume (Jatropha multifida) am Straßenrand
Als ich im Hotel ankam wurde es schon rapide dunkler. Ich genoss mein Abendessen und beendete den Abend mit Fernsehen und Lesen. Urlaub ist ja auch zum Entspannen da :)

Mittwoch, 2. März 2011

Japan: Routenänderung nach Kabira, Ishigaki

Nachdem in den letzten beiden Tagen das Wetter auf Yonaguni bereits nicht besonders gut, bzw. grottenschlecht war, studierte ich ausführlichst die Wettervorschau. Da in den nächsten Tagen das Wetter nicht besser werden sollte, entschied ich mich auf Ishigaki zu bleiben. Ich hatte auf Yonaguni bereits ein Hotel in Kabira reserviert. Bei einer vorherigen Reise hatte mir der kleine Ort sehr gut gefallen.
Die Bucht von Kabira bei meinem Besuch in 2009
Als ich also in Ishigaki (die größte Stadt heißt genauso wie die Insel) ankam, schleppte ich mich mitsamt meinem Riesenkoffer zum Busbahnhof (die Fähre legt nicht am normalen Fährenterminal an und der Busbahnhof wäre gleich dort daneben). Dort löste ich ein Ticket für die Kabira Resort Linie. Der Preis für ein 5-Tagesticket liegt bei nur 1000 Yen! Damit kann man so oft man will von Ishigaki nach Kabira und retour fahren und natürlich an den Stationen unterwegs jederzeit aussteigen. Da der Bus allerdings als Hotelzubringer gedacht ist, gibt es am Nachmittag ein sehr großes Loch und Abends geht der letzte Bus bereits ziemlich früh außerhalb der Hauptsaison. Trotzdem der Preis ist unschlagbar!

Ich war natürlich mitten in diesem Loch angekommen und musste letztendlich über eine Stunde auf den Bus warten. Meine Fahrt führte mich auf etwas umständliche Weise (aufgrund eines Abstechers des Busses zum Club Med) endlich zu meinem Hotel, dem Seamen's Club Ishigaki Resort Hotel (Webseite leider nur auf Japanisch).
Das Seamen's Club Ishigaki Resort Hotel
Das Hotel ist normalerweise sauteuer, ich hatte allerdings ein Einzelzimmer inkl. Frühstück für nur 4500 Yen (damals ca. 39 Euro) pro Nacht ergattert. Auch wenn das Hotel bei dem Wetter sehr trostlos aussah, innen war es sehr schön und elegant. Ich wurde schon erwartet und bekam ein Zimmer mit Blick auf die Mangroven-Wälder, die sich zwischen dem Hotel und dem Strand befinden. Alternativ gibt es noch den Blick auf die Berge. Das Zimmer war ziemlich klein, wirklich nur mit einem Einzelbett drin. Dafür hatte es ein richtiges Bad und es war alles picobello sauber.

Ich stapelte meine Sachen ins Zimmer und ging dann gleich wieder runter. Ich wollte retour nach Kabira und dort zu Abend essen. Da der Bus schon fort war ging ich eben zu Fuß. Es sind ca. 15 Minuten vom Hotel nach Kabira. Man geht entlang von Wald und Feldern entlang und es ist auch ein etwas unheimlicher Schrein ("Betreten verboten" steht drauf, wie es meistens in Okinawa der Fall ist) auf dem Weg. Als ich in Kabira ankam begann es schon dunkel zu werden. Die Geschäfte die noch offen waren, als ich mit dem Bus durchfuhr hatten bereits alle zugesperrt.
Ausgestorbenes Zentrum von Kabira
Das Gebäude mit dem roten Licht war die Polizei, der Polizist davor allerdings nur eine Attrappe. Ich versuchte jemanden zu finden um zu fragen ob etwas offen hat hier, aber wenn niemand unterwegs ist, kann man auch niemanden fragen! Ich machte mich auf den Weg retour zum Hotel, allerdings nahm ich eine andere Straße um einen Bogen durch das Städtchen zu machen und siehe da! Ein Sushi-Lokal und ein Okonomiyaki-Lokal. Ich entschied mich für letzteres.
Okonomiyaki im noch rohem Zustand
Bei einem Okonomiyaki mit allen Drum und Dran für nur 750 Yen (damals ~6,50 Euro) kann man wirklich nichts falsch machen. Dabei handelt es sich um Teig vermischt mit Gemüse und diversen Zutaten (in meinem Fall Kimchi und Schinken). Das Ganze wird vermischt und dann auf eine im Tisch eingebaute Platte geworfen. Etwas zusammengeschoben sieht es dann fast aus wie eine Pizza. Wenn eine Seite durch ist wird es umgedreht und nochmal kurz angebraten. Ich hab's lieber wenn das jemand für mich macht, zum Glück war das in dem Lokal auch so. Bei mir zerfällt das Ding sonst immer oder ist nicht durch.
Fertiges Okonomiyaki mit Sauce, Mayonnaise und Bonito-Flocken
Am Ende garniert man das gute Stück noch mit Okonomiyaki-Sauce, Mayonnaise und Bonito-Flocken (abgeraspelter getrockneter Fisch). Die Flocken bewegen sich sehr lustig auf der heißen Unterlage! Auch wenn das ziemlich klein aussieht, so hat das Ding doch sehr viel Volumen. Ich konnte mit Ach und Krach fertig essen. Es war aber auch viel zu lecker um etwas übrig zu lassen.

Außer mir gab es nur einen einzigen Gast, der nur ein Bier trank während er darauf wartete, dass sein Essen zum Mitnehmen fertig wurde. Um diese Jahreszeit ist nicht wirklich etwas los in Kabira. Außerdem essen die meisten Touristen in ihren Hotels zu Abend. Die meiste Kundschaft am Abend sind also Leute die hier leben.

Als ich mit dem Essen fertig war, war es bereits stockdunkel. Die Besitzer waren ziemlich besorgt, weil ich zu Fuß retour zum Hotel wollte. Taxi wollte ich aber nicht zahlen und so machte ich mich auf dem Weg. Es war auch alles okay bis ich das Städtchen verlies. Genau bei dem gruseligen Schrein gab es keine Straßenlaternen mehr... außerdem hörte ich nach ein Knallen wie von Gewehrschüssen von den Bergen her. Es war also wirklich unheimlich.

Im Hotel fragte ich den Mann an der Rezeption als erstes was diese Schüsse waren. Er erklärte mir, dass das eine neue Wildschwein-Vertreibungsmethode ist. Um die Felder herum werden Infrarot-Schranken montiert und wenn etwas da durchgeht wird ein Knall ausgelöst. Wahnsinn, oder? Da ist man so weit von jeder Zivilisation entfernt und dann so ein Lärm! Zum Glück ist es in der Dämmerung am schlimmsten und lässt dann nach, oder ich hab' einfach nichts mehr gehört.

Ich surfte noch etwas im gratis WiFi in der Hotel-Lobby und zog mich dann auf mein Zimmer zurück. Fernsehen (Wetterkanal) und Broschüren (aus der Lobby) durchblättern waren mein Abendprogramm. Relativ spät ging ich dann ins Bett wo ich dann auch ziemlich schnell wegratzte.

Achtung! Das ist ein Nachtrag. Das Datum wird nach einer Woche auf das korrekte zurückgestellt.

Weiterführende Links:
Die besten Infos zu Ishigaki gibt es auf Ishigaki-Japan.com!

Japan: Mit der Fähre von Yonaguni nach Ishigaki + Best of Video

Mein letzter Tag auf Yonaguni. Am Morgen stand ich bereits im stockdunkeln auf um mich mit meiner verschworenen Truppe von Sonnenaufgangsanbetern im Gemeinschaftsraum zu treffen. Ziemlich verschlafend drein schauend wankten wir zum Hotel-Bus, wo ein Stammgast ihn für uns in Betrieb nahm. Als wir am Agarizaki-Aussichtspunkt ankamen regnete es leicht aber beharrlich. Nach einer kurzen Erkundung versammelten wir uns wieder im Bus und versuchten uns warm zu halten.

Die Zeit verging und es war immer noch stockdunkel.

10 Minuten vor Sonnenaufgang gingen wir letztendlich zum Aussichtspunkt und starrten ins Dunkel. Der Leuchtturm beleuchtete hie und da die Gegend. Der Wind blies mit einer gewissen Fiesheit immer wieder den Regen in unseren Unterschlupf und wir versuchten vergeblich andere Leute oder Holzstelzen zwischen uns und den Wind zu bringen. Langsam wurde es heller und man konnte die Umgebung auch ohne Leuchtturm erkennen. Die weiße Gischt der sich am Ufer brechenden Wellen stach aus dem Dunkel hervor.

Nichts. Absolut nichts.

Kein Fünkchen eines Morgenrots zeigte sich am Horizont. Letztendlich gaben wir auf. Ein kurzer Abstecher zum Ubudumai-hama für ein paar letzte Fotos und dann fuhren wir retour.

Takahashi beim Fotografieren des Ubudumai-hama
 Keines von meinen gelang, aber ein junger Fotograf namens Takahashi Satoru, der dabei war, hat ein absolut geniales Foto auf seinem Fotoblog. Unbedingt ansehen!

Monsterwellen am Ubudumai-hama


Retour in der Pension hieß es noch schnell zusammenpacken, frühstücken und schon hieß es Abschied nehmen. Ich bekam als Geschenk noch Roh-Zucker aus Yonaguni und wurde zum Hafen in Kubura gebracht, mit einem kurzen Abstecher zum westlichsten Postamt Japans (hat jemand Interesse an den Stempeln?), und schon stand ich vor der ziemlich großen Fähre.

Die Yonakuni verlässt den Hafen von Kubura

Die Yonakuni (sic!) ist das einzige Schiff das regelmäßig zwischen Yonaguni und Ishigaki verkehrt. Der Preis pro Person in eine Richtung ist 3460 Yen (damals ~€30) und die Fahrt dauert regulär vier Stunden für die 127,4km. An diesem Tag dauerte es 5 1/2 Stunden... der Seegang war schon bei der Fahrt aus dem Hafen nicht zum Spaßen. Das Schiff rollte trotz der Größe wie verrückt hin und her. Im Inneren waren kleine Kojen. Jede mit einem kleinen Eimer (ja, zum Kotzen) ausgestattet.
Schlafbereich der Fähre zwischen Yonaguni und Ishigaki
Während der Fahrt hörte ich ein paar Mal das eindeutige Würgen das auf Seekrankheit hinweist. Ich fragte mich ob ich das ausgiebige Frühstück wohl bereuen würde? Letztendlich war ich so müde, dass ich mir eine freie Koje neben einem Bullauge suchte (um den Horizont anvisieren zu können) und legte mich hin.
K.O. in der Koje
Obwohl ich eigentlich die Vorbeifahrt an Iriomote sehen wollte, war ich so müde, dass ich durch all das Rollen und Schlingern und wie man das sonst noch nennt durchschlief. Die ganzen 5 1/2 Stunden verbrachte ich in einem Dämmerschlaf. Hie und da wachte ich auf und schaute aus dem Fenster, aber Iriomote habe ich dennoch verpasst... vielleicht ein anderes Mal.

Knapp vor 16:00 lag die Fähre vor Ishigaki vor Anker.

Fähreninfos: Die Fähre wird von Fukuyama Unkou betrieben. Sie verkehrt am Dienstag und Freitag von Ishigaki nach Yonaguni und Mittwoch und Samstag von Yonaguni nach Ishigaki. Abfahrt ist immer 10:00. Ankunft vier Stunden später oder wie lange es auch dauert (hängt vom Seegang ab). Die Fähre wird kaum abgesagt, es kann aber vorkommen, also am besten immer einen Zeitpuffer einbauen, wenn man ein Flugzeug erwischen muss. Tickets müssen nicht im Voraus gekauft werden. Ticketverkauf im Hafengebäude von Ishigaki bzw. Yonaguni (nicht zu übersehen, einfach fragen). Obige Infos sind Stand 2.11.2011. Da die Webseite nur auf Japanisch ist (und die Infos auf Wikitravel und Co. nicht immer zuverlässig) bitte einfach fragen und ich schaue gerne nach ob die Infos hier noch aktuell sind!

Und für alle treuen Leser, hier mein erstes (editiertes) Video. Best of Yonaguni :)

Dienstag, 1. März 2011

Japan: Sonnenaufgang Yonaguni und mit dem Fahrrad durch den Regen

In der Nacht schlug das Wetter um. Als mich mein Handy das erste Mal weckte war es noch stockdunkel, also erst einmal snoozen und abwarten. Das Spiel wiederholte sich bis ich letztendlich doch aufstand. Der Grund dafür? Ich hatte mir am Vorabend die Zeit für den Sonnenaufgang an diesem Morgen notiert und es waren nur mehr 15 Minuten dahin und obwohl sich der Himmel langsam aufhellte sah es nicht so aus als würde sich die Sonne blicken lassen.

Nachdem ich das Auto extra für 24h gemietet hatte um heute noch den Sonnenuntergang zu sehen und mich bereits mit Herrn K. abgesprochen hatte, quälte ich mich eben ins Gewand, packte meine Kameraausrüstung und dann ging es los zum Tategami Felsen Aussichtspunkt. Als ich aus dem Auto stieg und der Wind mich erwischte dachte ich mir zum ersten Mal "Kalt!", korrigierte mich aber sofort wieder. Eine so südliche Insel ist nicht kalt, sondern kühl. Das hatten wir der Pensionsbesitzerin bereits am Vorabend erklärt, doch sie lächelte uns nur vielsagend an. Da standen wir nun, Herr K. und ich, und schauten in Richtung Osten auf das hier:
Sonnenaufgang (?) auf Yonaguni
Und wo der von warmen Sonnenstrahlen gestreichelte Tatagemi Felsen sein sollte wälzten sich monströse Wellen Richtung Strand. Ich begann Herrn Ks Entscheidung heute mit dem Flugzeug retour nach Ishigaki zu fliegen zu beneiden. Wenn das Wetter so blieb, würde diese Schiffsfahrt sicher nicht sehr angenehm werden.

Tategami Felsen bei Sonnenaufgang (nicht ganz so wie vorgestellt)
Wir schauten auf unsere Uhren und auf den Himmel und trotz aller Hoffnung kamen wir zu dem Schluss, dass wir den kurzen Moment, wo die Sonne zwischen Meer und Wolkendecke vielleicht sichtbar gewesen wäre, verpasst hatten. Neben der guten Sichtbarkeit inzwischen war das hier unser bester Hinweis. Ich meine die Spiegelung von Sonnenlicht auf dem Meer.

Containerschiff kreuzt vor Yonaguni im "Sonnenaufgang"
Wir machten auf dem Rückweg zur Pension einen kurzen Abstecher zum Agarizaki Aussichtspunkt wo ich einen schönen Blick in die Vergangenheit und die Zukunft werfen konnte. Rechts Vergangenheit: Bis zu 30 Grad im Februar bei strahlendem Sonnenschein. Links Zukunft: kuschelige 12-18 Grad im März bei immer wiederkehrendem Regen.

Näherkommende Schlechtwetterfront auf Yonaguni
Allerdings traf ich dort auch auf einen alten Bekannten: Die Katze die mir am Vortag auf der Straße mitten im nirgendwo begegnet war! Warum sie wohl von Sonai bis nach Agarizaki gegangen war?

Unerwartetes Wiedersehen

Etwas durchkühlt kamen wir in die Pension zurück. Ich retournierte schnell das Auto und zahlte meine 5000 Yen (damals ca. 44 Euro). Die Übergabe war absolut problemlos, das Auto wurde nicht einmal angesehen! Retour in der Pension genoss ich erst einmal mein warmes Frühstück und eine heiße Dusche. Danach hieß es Abschied nehmen von meiner freundlichen Reisebegleitung Herrn K.

Nachdem ich immer wieder einen Kontrollblick nach draußen geworfen hatte und der erwartete Regenguss nicht kam, packte ich meine Ausrüstung inkl. Regenjacke und lieh mir ein Fahrrad der Pension aus. Zeit für einen Besuch des Hafens von Sonai mit dem angeblich recht schönen Nanta-hama Strand. Innerhalb von 10 Minuten (etwas verfahren) war ich auch schon dort. Bis auf die zu erwartenden Wellenbrecher bot sich mir trotz des Wetters ein schöner Anblick. Im unteren Verlauf feiner Sand, nach oben hin jedoch mit vielen Muscheln und Korallenresten gespickt. Der Hit waren aber die Farben.  Bei Sonnenschein sicher noch mal einen Zacken schöner.

Nanta-hama im Hafen von Sonai
Vom Strand hat man auch einen guten Blick auf den Tindahanata, der bei dem Wetter sicher noch mal um einiges gruseliger ist. Ich hab's nicht drauf ankommen lassen.

Tindahanata vom Hanta-hama aus
Hafenkatze mit kritischem Blick

Die Küste außerhalb des Hafens besteht aus einer Menge versteinerter Korallen an der sich wild die Wellen brechen. Dort traf ich auf wieder auf die Fotografin und einen mir bisher unbekannten jungen Fotografen. Man nickte sich zu und ging seiner Wege. Meine Aufmerksamkeit weckten letztendlich eine Gruppe kleiner Vögel die auf den Felsen hinliefen. Am Boden liegend verbrachte ich etwas Zeit damit sie abzulichten.

Wellenbrecher bei der Arbeit
Seeregenpfeifer (Charadrius alexandrinus) lassen sich von Wellen nicht beeindrucken
Seeregenpfeifer wirft einen skeptischen Blick auf mich
Blick über die Sonai Bucht (außerhalb des Hafens) zum Friedhof
Herr K. hatte mir erzählt, dass es in Okinawa üblich war/ist die Toten in diesen Grabstätten zu bestatten bis der Körper verwest ist. Danach wurden/werden die Knochen noch einmal gereinigt und in einer Urne wieder beigesetzt. Die Form und Art der Bestattung stammt vermutlich aus China aus der Zeit der Ming-Dynastie. Inzwischen werden aber auch richtige Häuser gebaut (zumindest sehen sie so aus). Herr K. zeigte mir ein hübsches, buntes Haus am Rand der Stadt. Es sah aus wie aus Mexico, sehr freundlich und einladend. Er klärte mich dann auf, dass dies ebenfalls eine Grabstätte (die einer sehr reichen Familie) sei. 

Ein Grab auf Yonaguni, das langsam zerfällt
Verschiedene Größen von Gräbern
Grab mit Blick aufs Meer
Nach meinem morbiden Abstecher begann es leicht zu nieseln, weswegen ich mich auf meinem Weg rund um Sonai hauptsächlich auf Pflanzen konzentrierte (sprich Linse nach unten gerichtet).

Distel mit Blick aufs aufgewühlte Meer
Propellermaschine im Landeanflug auf Yonaguni (warum bin ich nicht in sowas gekommen?)
Wandelröschen (Lantana) am Wegesrand
Chomeisou/Nagaikisou (Peucedanum japonicum)
Auf Yonaguni gibt es recht viele Felder mit dem Kraut auf dem Bild oben. Die Übersetzung des japanischen Namens bedeutet so viel wie "Lang-Lebe-Kraut". Wenn man etwas im Internet sucht findet man auch Studien, dass es bei einigen Krebsarten helfen  soll. Über den Geschmack kann ich nicht wirklich was sagen. Normales Grünzeug halt.

Lackmus Test bei Pflanzen? War der Regen etwa sauer?
Reisfelder und Ishigaki Rind im Regen
Unbekannte Überlebenskünstlerin an einer Wand
Hibiskusstrauch der Pension Sakihara-sou
Praktisch jedes Haus in Okinawa hat zwei Shisa (Löwenhunde) vor der Tür. Es gibt viele Theorien warum einer den Mund offen hat und der andere zu. Eine ist z.B. das der Mund offen ist um die bösen Geister einzusaugen und der andere den Mund zu um die guten Geister drinnen zu behalten. Mir wurde auch erzählt, dass der offene Mund das "A" symbolisiert und der geschlossene das "N", den ersten und letzten Buchstaben im Alphabet. Fakt ist, sie sind Schutzgötter :)

Shisa im Regen vor der Pension Sakihara-sou
Und das entsprechende Gegenstück
Den Rest des Tages schüttete es ziemlich und ich verbrachte die Zeit mit Lesen und Reiseplanung während der Regen gegen die Scheiben und das Dach klopfte. Nach dem Abendessen blieben die Gäste noch etwas sitzen und ich bemerkte den jungen Fotografen vom Hafen. Wir kamen ins Gespräch und er erzählte mir von seiner bisherigen Reise. Als ich von meinem Pech mit dem Sonnenaufgang erzählte fanden sich sofort mehrere, die es am nächsten Tag probieren wollten. Wir erhielten die Erlaubnis den Mini-Bus des Hotels zu verwenden und machten uns eine absolut unchristliche Zeit als Treffpunkt für den nächsten Morgen aus.

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