Donnerstag, 1. Januar 2015

Japan: Ausflug zur unbewohnten Insel Keeta-jima

Als ich mich entschieden hatte auf die Ogasawara Inseln zu fahren und begann über die möglichen Touren dort zu recherchieren, sprang mir neben dem Besuch auf Mimami-jima der Tagesausflug auf die unbewohnte Insel Keeta-jima ins Auge. Aufgrund meiner späten Anfrage konnte ich nur mehr für meinen letzten vollen Tag auf Chichijima einen Platz reservieren.

Die Tour wird unregelmäßig von Tropical Inn Papaya Marine Sports durchgeführt. Die Webseite ist leider nur auf Japanisch verfügbar.

Keeta-jima, offiziell Muko-jima genannt, ist ein Teil der Muko-Inselkette (Chichijima und Hahajima sind Teil der jeweils nach ihnen benannten Inselketten). Als wir an Board der schönen Miss Papaya waren wurde uns erst einmal gezeigt um was für Distanzen es sich hier handelt. Grün in der Mitte ist Chichijima und im Norden davon in rot ist die Muko-jima Kette (40-70km entfernt).
Der Tagesausflug begann mit einem kurzen Briefing.
Gleich beim Aufbruch, sobald wir die schützende Bucht verließen, wurde uns allen klar, dass dies keine angenehme Reise werden würde. Der Wellengang war trotz schönem Wetter recht hoch. Eine Box mit Keksen, die herumgereicht wurde, sorgte dafür dass ich leicht seekrank wurde. Andere hatten etwas weniger Glück und mussten sich immer wieder über die Reeling übergeben.
Trotz schönem Wetter war das Meer nicht besonders gut gelaunt.
Ein Beiboot folgte uns auf der ganzen Strecke.
Unser erster Stopp en Route war an einem großen Felsenbogen. Hier sollen sich die Thunfische versammeln, aber nicht nur die, auch Delphine halten sich hier gerne auf. Die Tapferen konnten hier mit Delphinen schwimmen. Aufgrund des erschreckend hohen Wellengangs und meiner Übelkeit entschied ich mich dagegen.
Die Delphine kamen sehr nah ans Boot (Indopazifischer Großer Tümmler (Tursiops aduncus)).
Letztendlich war ich mit meiner Position am Schiff doch recht zufrieden. Die Delphine schwammen sehr nah an uns vorbei und so gelang mir auch der obige Schnappschuss. Ungefähr eine halbe Stunde später waren alle Schwimmer auch wieder eingesammelt und es ging weiter übers offene Meer. Während ich gerade überlegte ob ich mich den armen Seelen an der Reeling anschließen sollte, rief plötzlich jemand laut "Wal" und tatsächlich befand sich ein ausgewachsener männlicher Buckelwal in Sichtweite, der uns über einen längeren Zeitpunkt eine richtige Show bot und offensichtlich seinen Spaß dabei hatte.
Der junge Buckelwal sprang zig Mal vor uns aus dem Wasser.
Er winkte uns mit seinen Brustflossen zu...
...und mit seiner Schwanzflosse!
Da das Schauspiel von sich aus kein Ende nahm, sprach der Kapitän ein Machtwort und wir fuhren weiter Richtung Keeta-jima. Obwohl das Boot wie irre hin und hergewackelt hat (ich habe ein Video vom Wal gedreht, aber beim Zusehen wird man seekrank, so sehr schwankt alles), hatte uns das Naturschauspiel dermaßen abgelenkt, dass wir alle unsere Übelkeit vergessen hatten. Das letzte Stück bis zu unserem Ziel verging dann aber zum Glück recht schnell und wir erreichten Keeta-jima.
Unbewohnte Insel mit Leuten am Strand?
Dahinter befindet sich eine schützende Bucht in der wir anlegten.
Zuerst gab es eine Mittagspause in der wir unsere Lunchpakete verdrückten und dann gab es die Möglichkeit etwas zu schnorcheln. Nachdem ich diesmal einen Wetsuit dabei hatte nutzte ich die Chance natürlich.
Die Bucht war relativ tief mit ca. 5m und die Fische somit etwas weit weg.
Trotz Wetsuit war es recht kalt, weswegen ich nur ca.10min rund ums Boot schnorchelte.
Einige der Korallen ware recht beeindruckend, auch wenn es hauptsächlich sandig war.
Nach dem Schnorcheln mit einem anderen europäischen Gast (im Hintergrund die Küste wo wir an Land gingen).
Nachdem wir mit dem Beiboot alle an Land geschifft worden waren, fanden wir uns gleich gegenüber eines Zeltlagers wieder. Auch wenn die Insel nun unbewohnt ist, heisst es nicht, dass sich niemand darauf befindet. In diesem Fall waren es Wissenschaftler, die sowohl die Erholung der Insel beobachten, als auch die hier wachsenden Pflanzen und lebenden Tiere studieren.
Warnschild diesen Teil des Strandes nicht zu betreten wegen endemischen Sandbienen.
 Start Geschichtslektion:

Warum aber Erholung? Im Jahre 1881 siedelten sich hier zum ersten Mal zwei Personen an. 1905 lebten hier bereits 25 Leute in einem kleinem Dorf. Anfangs wurde die Rinder- und Schafzucht betrieben, sowie Süßkartoffeln angebaut, danach kam aber noch Zuckerrohranbau und Zuckerproduktion hinzu. Nach dem ersten Weltkrieg viel jedoch der Zuckerpreis und viele der Ansiedler verließen die Insel wieder. Die verbliebenen Bewohner betrieben hauptsächlich Viehzucht. Als die Ogasawara Inseln von den Amerikanern 1944 übernommen wurden kamen keine neuen Siedler nach und als der letzte starb wurde Mukou-jima wieder zu einer unbewohnten Insel.

Die Ziegen, die die Siedler gehalten hatten vermehrten sich und verpassten der Insel ihr derzeitiges sehr triestes Aussehen. Kaum Vegetation überlebte. Die Ziegen wurden nun erfolgreich entfernt, bleiben noch die eingeführten Ratten sowie Pflanzen wie die Weißkopfmimose, Bambus, Bambusgras etc das ausgerottet werden muss, um den einheimischen Pflanzen und Tieren wieder eine Change zu geben sich erfolgreich zu verbreiten.

Ende der Geschichtslektion (Übersetzt aus dem Wikipedia Artikel).

Derzeit gibt es nur eine Firma, die die Erlaubnis hat Touristen auf die Insel zu bringen. Die Routen werden ebenfalls festgelegt, damit sich der Einfluß der Menschen so klein wie möglich hält.
Für die Wissenschaftler gilt die Regelung selbstverständlich nicht.
Obwohl die Langeweile anscheinend auch hier zu seltsamen Auswüchsen führt.
Das Ziel unserer Tour war der höchste Punkt der Insel, der Berg "Daisen" (wortwörtlich "großer Berg") mit 88m über dem Meeresspiegel.
Die Insel war eine Mischung aus grünen Flecken und totem Gras auf Gestein.
Die Mischung verlieh dem Ganzen ein Aussehen als wäre man auf einem außerirdischen Planeten.
Wären da nicht unsere bunt gemischte Truppe und ein paar alte Bekannte wie diese Palmen gewesen :)
Selbst die Palmen wirkten jedoch etwas surreal in dieser mit grünen Oasen durchsetzten Mondlandschaft.
Auf ca. halber Strecke landeten wir am Grab eines der letzten Einwohner der Insel. Da er das Schriftzeichen für Schildkröte in seinem Namen hatte, hat man ihm das entsprechende Grabmal gebaut.
Grab auf Muko-jima.
Viele der Pflanzen kamen mir bekannt vor. Ob das Zierpflanzen aus den ehemaligen Gärten der Einsiedler waren? Oder doch Pflanzen die schon immer hier vorgekommen sind? So oder so wuchsen sie nun wild in der Gegend.
Rote Lilien?
Blühender Rhododendron?
Diese hübsche Blume sah man recht oft.
Blühender Klee, wie man ihn auch bei uns im Baumarkt bekommt.
Eine Mimose? Ich bin mir nicht sicher ob die Fruchtstände dazu gehören.
Da wir recht oft stehen blieben und uns umsahen bzw. Fotos machten dauerte der eigentlich kurze Aufstieg doch ein kleines Weilchen. Da ich das Schlußlicht bildetete bekam ich die meisten Erklärungen nicht mit... vielleicht ein anderes Mal. Wäre interessant zu sehen was sich z.B. in weiteren 10 Jahren getan hat dort.
Der Berg von unten...
Und der Ausblick von Oben.
Unser Guide (einer der Wissenschaftler aus dem Camp) zeigte uns dann ein Foto vom gleichen Aussichtspunkt, das vor der großen Kahlfressung gemacht wurde. Erstaunlich wie grün alles auf dem Foto aussah. Laut seinen Erklärungen hat sich aber inwzischen schon einiges verbessert, es soll fast komplett kahl gewesen sein, aber die Natur nutzt zum Glück den neuen Frieden und breitet sich wieder aus.
Grün vs. braun. Das Datum sagt 2000.
Am höchsten Punkt befand sich entweder eine Hütte oder ein Ausblickpunkt für den 2. Weltkrieg. Jedenfalls fehlte auch hier nicht der gewohnte Anblick eines kleinen Bunkers. Die meisten nutzten die Zeit hier für Fotos.
Fotosession am Gipfel des Daisen.
Überreste menschlicher Besiedlung am Gipfel.
Blick ins Landesinnere mit der zweiten Gruppe sichtbar in der Ferne (man stimme das Herr der Ringe Thema an).
 Mit den Wolken kam auch ein Wind auf und schon mussten wir uns auf den Rückweg machen. Zurück ging es ziemlich schnell, da wir die gleiche Route zurück zum Strand einschlugen.

Ist das eine Plumeria? Der Baum wirkte sehr surreal.
Zurück am Boot wurden wir dann noch auf eine weitere Besonderheit der Insel hingewiesen. Muko-jima ist der einzige Brutort des Laysanalbatros (Phoebastria immutabilis) im westlichen Pazifik (99% der Brutstätten sind in Hawaii) und der Hauptbrutplatz des Schwarzfußalbatros (Phoebastria nigripes) in den Ogasawara Inseln. Zutritt zu dem Eck der Insel ist uns Touristen selbstverständlich nicht erlaubt, aber mit dem Boot konnten wir doch einen Blick darauf werfen.
Brütende Laysanalbatrosse (Phoebastria immutabilis) auf Muko-jima.
Ein Schwarzfußalbatros (Phoebastria nigripes) der bei uns vorbeiflog.
Der Himmel war voller Albatrosse (und der Seegang sehr unangenehm).
Interessante Gesteinsschichten an den Klippen der Insel.
Die Rückfahrt war recht zäh. Die Inseln, die wir beim Herfahren noch bestaunt hatten zogen sich nun scheinbar endlos dahin. Das bisher warme Wetter kühlte deutlich ab während sich die Sonne dem Horizont näherte. Der Kapitän hatte gemeint, dass wir eventuell eine zweite Runde Schwimmen mit Delphinen am Felsbogen bei der Rückfahrt einlegen, aber durch unser langes Beobachten des Wales waren wir im Zeitplan hinten. Ich hatte geplant mein Glück bei der Rückfahrt zu probieren, wenn mir hoffentlich nicht mehr schlecht war, aber mir war nur mehr kalt und ich wollte nur so bald wie möglich retour und heiß duschen. Keiner erwähnte das Schwimmen mit den Delphinen als wir daran vorbeifuhren.
Die Sonne ging in den Wolken unter.
Kurz bevor die Dunkelheit komplett über uns einbrach erreichten wir endlich wieder Chichijima. Die Ogasawara-maru lag hell beleuchtet im Hafen, bereit mich am folgenden Tag wieder nach Tokyo zu bringen.
Die Ogasawara-maru bei Einbruch der Dunkelheit.
Ich war sehr froh endlich wieder an Land zu sein. Die Seekrankheit war beim Zurückfahren zwar deutlich besser gewesen, aber dennoch ein ständiger Begleiter. Der kühle Wind hatte mir zudem die Kraft geraubt. Ich denke, wir waren alle sehr glücklich wieder da zu sein.

Zurück in der Unterkunft gab es eine heiße Dusche für mich und ein warmes Abendessen. Obwohl es meine letzte Nacht auf der Insel war, konnte ich mich nicht aufraffen noch etwas die Gegend zu erkunden. Mein warmes, weiches Bett war dazu einfach zu verlockend.


Freitag, 26. Dezember 2014

Japan: Rückkehr von Hahajima nach Chichijima

Ticket für die Hahajima-maru
In der Früh besorgte ich gleich mein Ticket für die Fähre retour nach Chichijima. Da bis zur Abfahrt noch etwas Zeit war spazierte ich einmal um die Touristen-Info am Hafen und bemerkte gleich dahinter einen Aufgang zu einem kleinen Schrein. Auf den Stiegen und auf den Vorplatz zum Schrein wimmelte es nur so vor Schnecken. Und ich hatte extra welche gesucht!
Kleiner Schrein hinter der Touristen-Info von Hahajima
Auf den abgefallenen Blättern...
...und den Früchten tummelten sich unzählige (endemische?) Schnecken.
Ein Signalhorn gab bekannt das man nun an Board gehen kann. Gleich beim Eingang befand sich ein Transportkäfig mit einer Katze drin. Darauf befand sich eine große Warnung, dass man bitte nicht reinschauen soll, weil die Katze nicht an Menschen gewöhnt ist. Oben steht, dass Katzen die in den Wäldern wohnen eingefangen werden, das sie die endemische Vogelpopulation dezimieren und nach Chichijima gebracht werden. Ich frag' mich was dort mit ihnen passiert...
Streunerkatze wird nach Chichijima gebracht.
Als die Fähre abgelegte, kam der nette Herr von der Touristen-Info heraus um nachzuwinken. Vielen Dank noch einmal für das in mich gesteckte Vertrauen und das geliehene Geld! Die Fahrt nach Chichijima war diesmal leider ziemlich wüst. Trotz Wind und hoher Wellen war es aber sehr diesig. Wale habe ich diesmal keine gesehen, zumindest keine, die ich verifizieren konnte.
Der nette Herr von der Touristen-Info winkte uns nach.
Der Wellengang war diesmal deutlich rauher.
Die Seagull wurde ziemlich durgeschaukelt, da war ich über meine Fähre froh.
Die vulkanischen Klippen von Chichijima begrüßten uns als erstes. Beeindruckend.
Das Kreuzfahrtschiff Nippon Maru war im Hafen als wir ankamen.
In Chichijima wartete bereits der Chef meiner neuen Unterkunft auf mich. Ich war nicht die einzige, die mit der Hahajima-maru angekommen war. Zum Glück hatte niemand etwas dagegen, dass wir kurz bei der Post stehen blieben. Endlich konnte ich wieder Geld beheben. Den Umschlag mit dem geliehnen Geld gab ich dann gleich bei der Touristen-Info schräg gegenüber ab. Füllt sich schon gut an wieder eigenes Geld zu haben!


Meine neue Unterkunft war diesmal in Ogiura und zwar direkt am Strand. Laut Info ist das die einzige Unterkunft die am Strand steht, da sie vor über 30 Jahren gebaut wurde und danach das Bauen dort untersagt wurde. Ich wollte einen anderen Teil der Insel sehen, deswegen viel meine Wahl auf das "Rock Wells", außerdem war es auch für Alleinreisende halbwegs bezahlbar.
Blick vom Strand Richtung Hafen
Der Strand direkt vor der Unterkunft
Zu Fuß ging ich den ganzen Strand ab. Am Ende (im oberen Bild sichtbar) befand sich wieder ein Bunker. Das Meer hier ist als gut zum Schnorcheln auf der Karte verzeichnet, aber dafür war mir das Wasser doch etwas zu kalt, zumindest ohne Wetsuit.

Ich ging weiter bis zum Sakiura Strand. Dort befindet sich ein Aussichtspunkt von dem man gut den Sonnenuntergang sehen kann. Und die Überreste der Hinkou-maru, die 1944 torpediert wurde und seitdem hier an der Küste vor sich hin rostet. Schnorcheln scheint hier wirklich toll zu sein, wenn man nach den Bilder in den Broschüren geht... aber ja... leider zu kalt das Wasser.
Profis und Laien versammeln sich am Aussichtspunkt für den Sonnenuntergang.
Sonnengang in Sakiura mit der Hinkou-maru, die noch etwas aus dem Wasser ragt.
 Beim Rückweg freute ich mich schon auf das Essen. Gegessen wird im Rockwells gemeinsam. Der Raum ist Aufenthaltsraum, Speisezimmer und Abends auch Bar. Das Essen war gute japanische Hausmannskost. Ich war ziemlich baff als ich den Chef lobte und er meinte er hätte das Rock Wells erst zwei Jahre zuvor übernommen und dann erst mit dem Kochen angefangen. Er war als Bauarbeiter beim Straßenbau auf der Insel und als er hörte, dass der Besitzer verkaufen mag, hatte er sich entschlossen hier zu bleiben und die Pension zu führen. Beneidenswert :)
Abendessen im Rock Wells: einfache aber sehr leckere Hausmannskost frisch zubereitet.
Da ich für den nächsten Tag einen Ganztagesausflug zu einer unbewohnten Insel gebucht hatte, ging es diesmal relativ früh ins Bett.

StatCounter

Twitter Facebook Favorites More

 
Powered by Blogger